"Eucharistie - Worauf es ankommt, wenn er kommt"
Die Predigtreihe 2005 des Pfarrverbands Gemünden
Nach
dem Pfarrverbandstag vom 09.04.2005 "Eucharistie er-Leben" (vgl.
"Pfarrverbandstag") gibt es nun an den Wochenenden vom 08./09.10.,
15./16.10. und 29./30.10.2005 eine Predigtreihe in den
Sonntagsgottesdiensten der Gemeinden des Pfarrverbands Gemünden.
Es ist der Versuch, eine spirituelle Verbindung von Eucharistie und
Alltag durch die Verkoppelung mit dem neuen geistlichen Lied "Worauf es
ankommt, wenn er kommt" (vgl. Troubadour Nr. 758, hier auch
Downloadmöglichkeit:)
herzustellen, dessen einzelne Strophen jeweils von einem Prediger
genauer unter die Lupe genommen und "eucharistisch" gedeutet werden. Die Prediger und ihre Themen und im einzelnen:
1. Strophe Past.Ref. Wolfgang Pfeifer: „Was kann ich wirklich besitzen – Haben oder
Sein ?
2. Strophe Pfr. Klaus Hösterey: „Was hast du bedacht? – denken
und danken“
3. Strophe
Past..Ref. Burkhard Fecher: „Wem hast du gedient – Machtverlust als
Chance für die Kirche“
4. Strophe Pfr. Rudi Scherbaum: „Befreien von was – für was ?“
5. Strophe Past.Ref. Klaus Simon: „Essen – Trinken – Teilen “
6. Strophe Diakon Konrad Fischer: „Wer im Himmel der Größte sein will …“
7. Strophe Pfr. Peter Rüb: „Was hast du getan – Kann ich mir den Himmel
verdienen ?“
8. Strophe P. Konrad Körner: „Im Armen Christus erkennen – Hlg.
Elisabeth“
Im Folgenden stehen die Predigttexte. Schauen Sie nochmal rein und lassen Sie die Gute Nachricht
nachklingen.... Predigt " Was hast du bedacht? - Denken und danken" (Pfr. Klaus Hösterey)
Ex 19,2-6a; Mt 11,25-30
Zwei Bilder dieses Jahres 2005
gehen mir so schnell wohl nicht aus dem Kopf:
- der Abschied von Papst Johannes Paul II., der
schlichte Holzsarg mit der Bibel darauf auf dem Petersplatz;
- der Weltjugendtag in Köln.
Irgendwie hatte ich das
Gefühl: Jawohl, ich bin ein wenig stolz auf diese meine Kirche. Ich vermute,
auch Menschen, denen die Kirche oder der Glaube fremd ist, haben ein wenig
sehnsuchtsvoll hingeschaut. Es waren Bilder, die von unserem Glauben erzählt
haben, mehr als tausend Worte. Was da zu sehen war, war keine Effekthascherei,
war kein Werbetrick, obwohl so doch mehr herüberkam als durch manche Ansprache
und anderes kirchliches Papier.
Die Bilder haben gestimmt,
sie waren stimmig. Was die Kirche glaubt, hat sie gezeigt, und was sie gezeigt
hat, das glaubt sie auch. Einfach so stehen unzählige Menschen dafür ein – auf
dem Petersplatz in Rom und auf dem Marienfeld vor den Toren Kölns. Das ist glaub-würdig.
Das kannst du so glauben. Das ist echt.
Gibt es hier in … auch so
etwas zu entdecken: Menschen, die das sagen, was sie glauben und das glauben,
was sie sagen, Menschen, die „echt“ sind? Vielleicht erinnere ich mich an
Worte, Gesten, Bilder, Erlebnisse, wo ich gespürt habe: hier geschieht etwas
ganz Wichtiges, hier geben mir Menschen etwas mit auf den Weg, an das ich mich
nicht nur gerne erinnere, sondern das mir in schweren Stunden weiter hilft. Ich
denke an Menschen meiner Heimatgemeinde, die seit vielen Jahren treu und still
ehrenamtlich ihren Dienst tun. Menschen, denen der Glaube das selbstverständlichste
auf de Welt ist.
„Worauf es ankommt“. Worauf
es wirklich und letztlich ankommt. „Der Herr wird nicht fragen: Was hast du
gewusst? Was hast du Gescheites gelernt? Seine Frage wird lauten: Was hast du
bedacht, wem hast du genützt um meinetwillen?“
Zwei Richtungen gibt mir
diese Liedstrophe vor: denken und bedenken und nützen, denken bei mir und für
mich und nützen für andere. Jetzt, heute.
1. Kürzlich habe ich eine lange,
aber auch weise Predigt eines alten Theologieprofessors gehört. Es war nicht so
sehr der Inhalt, der mich angerührt hat, sondern wie er das gesagt hat, was er
mit der Kirche glaubt. Einer, der sich zeitlebens mit dem Geheimnis Gottes
beschäftigt hat, bildet sich nicht ein, dieses Geheimnis genügend umschrieben
oder gar gelüftet zu haben. Er sprach weiterhin vom Geheimnis Gottes, vom
„mysterion“, vom „sacramentum“. Gott ist und bleibt der Geheimnisvolle, Ferne, Andere,
der sich andererseits für uns sozusagen in Worte und in Brot und Wein, in Leib
und Blut Jesu „kleidet“. Dem Herrn Professor hat man angesehen, dass er das
glaubt, was er sagt und umgekehrt. „Professor“ heißt ja auch „Bekenner“. Er hat
das bekannt, was seit fast 2000 geglaubt wird, und: er hat das gesagt, was er
glaubt, und vielleicht hat er es nicht einmal deutlich gesagt, aber man hat es
deutlich gespürt, was ihn bewegt, was er bedacht hat in seinen rund 70
Lebensjahren: sein Glaube ist der Glaube der Kirche, also auch unser Glaube.
Und wir, die wir keine
Professoren sind, aber doch Bekenner? Was hast du bedacht? Bedenken wir unser
Leben, unser Verhältnis zu Gott und zu den Mitmenschen? Bedenken und bekennen
wir, dass er auch uns oft „auf Adlerflügeln“ getragen und behütet hat, wie es
in der Lesung hieß?
2. „Wem hast du genützt um
meinetwillen?“ Was „nützt“ uns unser Glaube, was bringt mir das, was haben
andere davon, wenn ich glaube? Um auf den Anfang zurück zu kommen: welche
Bilder von Glauben bringe ich rüber? Was strahle ich aus? Spüren das die
anderen, dass ich gerne glaube, dass mir mein Glaube weiterhilft und
selbstverständlicher Teil meines Lebens ist? Dass mir die Werke der
Barmherzigkeit nicht fremd sind mit ihren offenen Augen, Ohren, Händen und
Herzen?
Wenn wir in diesen Wochen
das offizielle Jahr der Eucharistie beenden, dann scheint das mit dem, was ich
eben gesagt habe, wenig zu tun zu haben, und das ist schade. Ich befürchte, wir
unterscheiden noch viel zu sehr zwischen draußen und drinnen, vor und hinter
der Kirchentür, zwischen Alltag und Gottesdienst. Beides kommt in unseren Leben
vor, beides ist wichtig. Ein Alltag ohne Gottesdienst kreist zu sehr um sich
selbst. Ein Gottesdienst ohne Alltag bleibt frommes Getue.
Eucharistiefeier heißt Danke sagen,
nachdem wir immer wieder bedenken, dass wir ja doch im letzten und tiefsten
gehalten werden von Gott.
Der schlichte Holzsarg auf
dem Petersplatz, die Bilder des Weltjugendtages. In ihnen kommt für mich beides
vor: Leben und Glauben, Alltag und tiefer Sinn, Zeit und Ewigkeit. Es sind
geistige und geistliche Höhepunkte für diese Kirche, aber auch für diese Welt
gewesen. Ich glaube, da haben viele Menschen auch gespürt, „worauf es ankommt“.
Amen.
© Klaus Hösterey, Pfr., Gemünden
PREDIGT „Essen – Trinken – Teilen“ (Past.Ref. Klaus Simon) Lesung aus dem Propheten Jesaja,
58,6-8.11
6 Das ist ein Fasten, wie ich es liebe: die Fesseln
Unschuldiger zu lösen, die Stricke des Jochs zu entfernen, die Versklavten
freizulassen, jedes Joch zu zerbrechen,
7 den Hungrigen dein Brot zu geben, die Armen
aufzunehmen, die keine Wohnung haben, wenn du einen Nackten siehst, ihn zu
bekleiden und deinen Bruder nicht im Stich zu lassen.
8 Dann wird dein Licht aufleuchten wie die Morgenröte,
und bald bist du geheilt. Deine Rettung geht dir voran, die Herrlichkeit des
Herrn folgt dir nach.
11 Der
Herr wird dich immer führen, auch im dürren Land macht er dich satt und stärkt
deine Glieder. Du gleichst einem bewässerten Garten, einer nie versiegenden
Quelle.
Evangelium: Von Reichtum und Nachfolge
17 Als sich Jesus wieder auf den Weg machte, lief ein
Mann auf ihn zu, fiel vor ihm auf die Knie und fragte ihn: Guter Meister, was
muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?
18 Jesus antwortete: Warum nennst du mich gut? Niemand
ist gut außer Gott, dem Einen.
19 Du kennst doch die
Gebote: Du sollst nicht töten, du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht
stehlen, du sollst nicht falsch aussagen, du sollst keinen Raub begehen; ehre
deinen Vater und deine Mutter!
20 Er erwiderte ihm:
Meister, alle diese Gebote habe ich von Jugend an befolgt.
21 Da sah ihn Jesus an,
und weil er ihn liebte, sagte er: Eines fehlt dir noch: Geh, verkaufe, was du
hast, gib das Geld den Armen, und du wirst einen bleibenden Schatz im Himmel
haben; dann komm und folge mir nach!
22 Der Mann aber war
betrübt, als er das hörte, und ging traurig weg; denn er hatte ein großes
Vermögen.
ESSEN - TRINKEN
Eucharistie ist eine Mahlfeier
– eine Schenkung, ein kostenloses Geschenk von Gott durch Jesus an uns
Menschen. Eucharistie ist auch Danksagung, „Danke“ sagen für das, was Gott uns
mit diesen Zeichen der Liebe schenkt.
Aber woher kennen wir heute
diese Erfahrung eines feierlichen Essens? Das noch dazu nichts kostet? Und für
das wir von Herzen „Danke“ sagen? Wer heutzutage essen geht, braucht ja erstmal
mehr Geld, weil in den meisten Gaststätten die € - Preise an die früheren DM –
Preise herankommen. Wer Kinder hat, der landet dann vielleicht doch eher bei Mc
Donald oder in einer billigen Kneipe. Der allgemeine Sparzwang, der aber über
weite Strecken auch ein Sparwahn sein könnte, bringt die Menschen in „Geiz ist
geil“ – Stimmung. Und nährt die Angst, daß das Geld nicht reicht oder man nicht
alle Schnäppchen erwischen könnte. Und wo spart man als erstes? Am Essen und
Trinken, was dann auch zuhause nicht immer zu einm echten Mahl werden kann,
nicht nur wegen dem Geld, sondern weil nicht alle gleichzeitig da sind – durch
Arbeit, Job, Schule, Freizeitaktivitäten.
Das alles macht die
Erfahrung von Mahl, von feierlichem Essen und Trinken heute schwer. Und man muß
sich schon etwas gönnen können – Zeit, Aufmerksamkeit, einen schönen Rahmen,
auch Ausgaben für gutes Essen … um wirklich Mahl zu halten. Wer in unseren Nachbarländern Urlaub macht,
der kann feststellen: Die Lebensmittel sind hier bei uns billiger.
Andererseits wird vielleicht
in dieser Zeit des Erntedanks in diesen Wochen etwas deutlicher, wieviel Schönes
und Gutes uns trotz des allgemeinen Jammerns in Deutschland zum Leben zur
Verfügung steht – und wofür wir eigentlich dankbar sein können.
Ein paar Gedanken zur
Dankbarkeit von Peter Hahne:
Dankbarkeit macht reich
Danken ist eine gute Medizin für die Seele, denn dem Dankbaren erschließt
sich das Leben. Dank befreit aus dem Ghetto der Ichbezogenheit. Dank lässt
Freude statt Angst die bestimmende Lebensmacht werden. Dank gegenüber Gott
macht das Leben schöner und glücklicher. Wer dankbar lebt, lernt das Staunen.
Er ist wie jemand, der die Fensterläden seines Hauses aufstößt, um viel Licht
und Sonne einzufangen.
Können wir noch staunen über die Dinge, die unser Leben hell und
froh machen? Staunen über den Vogel, der sich vom Wind tragen lässt; den Käfer,
der auf einen Grashalm klettert. Staunen über die Sprache der Musik und das
Lachen eines Kindes. Staunen über die vielen Wunder des Lebens, die uns täglich
begegnen. Wunder, die deutliche Spuren des großen Gottes sind.
Dankbarkeit gibt Tiefgang und macht das Teilen möglich
Wer nur großen Ideen und Zielen nachjagt, versäumt das Glück, das
in kleinen Dingen liegt.
Das wirkliche Glück wird erst da erfahren, wo wir Gottes Güte
überall erspüren. Dann wird uns auch das Kleine groß. Dankbarkeit macht reich.
Sie schenkt ein Leben mit Tiefgang…
Denn Dank gehört zum Leben wie das Atmen. Er ist der Schlüssel zu
einem frohen Leben.
TEILEN
Und aus dieser Lebensfreude heraus fällt dann auch das Teilen mit
anderen nicht mehr ganz so schwer. Wenn
ich als kleiner Junge beim Metzger zum Einkaufen war, gab´s immer ein Stückchen
Wurst extra – und eigentlich für mich. Ich teilte diese Stückchen dann oft mit
meinem kleineren Bruder. Ich teilte vielleicht auch, um den Eltern zu gefallen,
es ihnen recht zu machen. Oder weil ich in der Kirche davon hörte, daß ich
teilen sollte.
Aber
eigentlich geht´s ja um die Freiwilligkeit beim Teilen. Worauf es ankommt, wenn
ER kommt - in der Eucharistiefeier, in
meinem Leben – ist ein Aus- und Mitteilen dessen, was ich tief in meinem Herzen
an Dankbarkeit Gott gegenüber spüre: Ich darf leben – also sollen andere auch
leben können – damit sie das Leben haben, und es in Fülle haben, wie Jesus sagt
(Joh 10,10). Jesus teilt sich uns aus in Brot und Wein, damit wir genauso
handeln. Brot brechen und dem Nächsten austeilen, Wein aus-schenken und
miteinander trinken. Eucharistie ist kein Abspeisen, kein Schnellessen, sondern
Zeit und Leben miteinander und mit Gott teilen.
So wandelt sich vielleicht
dann auch die „Geiz ist geil“ – Stimmung leichter in „Fülle statt Geiz“, „Nähren
statt Haben“. Also nicht nur selber speisen, sondern mit dem anderen teilen und
ihn nähren um Jesu willen.
Aber nicht nur teilen mit dem
„Nächsten“ neben mir, sondern auch ein neues Denken einüben:
Global/weltweit denken und
teilen lernen, weil wir Menschen miteinander vernetzt und verbunden sind auf
diesem Planeten. Tsunami und Wirbelstürme sind zwar weit weg, aber steigende
Öl- und Gaspreise ganz nah. Die Tsunami.Spendenwelle war ein sehr schönes
Zeichen unserer Solidarität und eines weltweiten Denkens. Wenn wir Ver-Teilungs-Kämpfe vermeiden wollen
um das, was nicht reichen wird an Rohstoffen und Vorräten, wenn alle auf
unseren Lebensstil wirtschaftlich hochgefahren werden sollen, dann braucht es
eine Klima-Veränderung im positiven Sinn. Die Zukunftsfähigkeit Deutschlands
hängt nicht nur von unserer Bildung und Leistung ab, sondern von einem positiven
Umgangsstil mit anderen Ländern, der sich deutlich von Arroganz und
Besserwisserei unterscheidet und Leben mit denen teilt die im Osten, Süden
sonstwo leben (müssen). Das ist letztlich eine EINE
FRAGE VON SOLIDARITÄT UND GERECHTIGKEIT.
Wir leben in einer Welt, in
der „den meisten Menschen vorenthalten wird, was ein menschenwürdiges Leben
ausmacht", sagen die deutschen Bischöfe in ihrem Wort „Gerechter
Friede". Viele Menschen sorgen sich, dass die Globalisierung die Welt nur
scheinbar zusammenführt, sie vielmehr spaltet in eine arme und eine reiche
Welt, die weder nachhaltig noch zukunftsfähig ist.
VON DER ANTWORT HÄNGT VIEL
AB:
die Lebensmöglichkeiten der
Menschheit, die Zukunftsmöglichkeiten jetziger und künftiger Generationen, die
Sicherheit im Zusammenleben von Arm und Reich, von Nord und Süd, West und Ost.
Und so geht es letztlich nicht
um Überforderung, sondern um eine Grundhaltung von Dankbarkeit: Ich kann
teilen, weil Gott mir alles zum Leben schenkt. Amen.
Predigt
„Was hast Du getan …?“ (Pfr. Peter Rüb)
1. Les.: Eph 4,29-5,2
2. Les.: ---
Ev.: Mk 10,17-27 (Lesejahr B 28. So i Jkrs Kurzfassung)
Einführung:
Gnade und Friede in der
heiligen Versammlung der Kirche Gottes sei mit euch.
Eucharistie - Worauf es
ankommt, wenn er kommt. So ist unsere Predigtreihe in diesem Jahr überschrieben.
Die Eucharistiefeier hat etwas mit der Wiederkunft Christi zu tun. Sie ist die
Vorweggenommene Feier des himmlischen Gastmahls. Sie ist Mahl zum ewigen Leben.
Da wir uns dieser Feier oft nicht würdig erweisen, wollen wir uns zu Beginn
besinnen, unsere Fehler und Sünden bereuen und Gott um Vergebung bitten.
Kyrie: GL 524 Gott des
Vaters ewger Sohn
Liebe Schwestern und Brüder
Eucharistie
- Worauf es ankommt, wenn er kommt“, ist unsere Predigtreihe überschrieben. Wir
Christen leben aus der Hoffnung auf die Wiederkunft des Herrn, wie auch immer
diese aussehen wird. Und wir Christen leben aus der Eucharistie. So ist es angebracht
danach zu fragen, wie dieses beides zusammen geht.
Leben
aus der Eucharistie, das meint zunächst: Leben aus dem eucharistischen Mahl.
Jesus selbst schenkt sich uns in den Gaben von Brot und Wein, er gibt uns sein
Leib und sein Blut als Speise, um uns Nahrung zu sein für das Leben hier auf
der Erde, dass wir alle Widrigkeiten, alle Schwierigkeiten des Lebens meistern
können, dass wir bestehen können in all den Anfechtungen des Alltags. Er will
uns stärken für ein Leben in und mit Gott, für ein Leben, wie es die Welt nicht
kennt, er will uns Nahrung sein für das ewige Leben, das uns in der Taufe
verheißen ist. Und damit kommen wir gleich zum zweiten Punkt. Wir leben aus der
Hoffnung auf die Wiederkunft des Herrn. Wie diese Wiederkunft aussehen wird,
wissen wir nicht, weiß keiner von uns Lebenden. Was wir aber seit Jesu Tod und
Auferstehung wissen ist, dass es ein Leben nach dem Tode gibt und dass es dabei
zu einem - wie auch immer gearteten - Gericht kommen wird, hat Jesus oftmals in
seinen Gerichtsreden und in seinen Mahnungen im Hinblick auf das Ende betont.
Um
was wird es in diesem Gericht gehen. Unser Mottolied für diese Predigtreihe
gibt eine eindeutige Antwort: „Heute wird getan, oder auch vertan worauf es
ankommt, wenn er kommt!“ Es geht um unser Leben. Und so fragt der Mann im
Evangelium auch: „Guter Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu
gewinnen?“ Die 7te Strophe des Liedes erklärt uns: „Der Herr wird nicht fragen:
Was hast Du gesagt, was hast du alles versprochen? Seine Frage wird lauten: Was
hast du getan, wen hast du geliebt um meinetwillen?“
Versprochen
ist leicht etwas, vieles wird einfach so dahin gesagt, manches oder vielleicht
sogar das meiste, ist sogar wirklich so gemeint, man hat den guten Willen, den
festen Vorsatz das ein oder andere Gute zu tun, man will sich nach besten Kräften
- wie man so sagt - bemühen. Aber wenn es darauf ankommt, dann kneifen wir doch
wieder relativ schnell, dann suchen wir den bequemeren Weg, dann sind alle
Vorsätze vergessen. Worte sind Schall und Rauch und vergehen mitunter so
schnell wie sie gesprochen sind. Um das, was wir gesagt und versprochen haben,
kann es also nicht gehen. Es geht um das, was wir getan haben.
Und
so antwortet Jesus dem Mann im Evangelium auch: „Du kennst doch die Gebote!“
Und er zählt einige davon auf. Genügt es also niemanden umzubringen, nicht zu stehlen,
keinen Raub zu begehen, nicht falsch auszusagen, Vater und Mutter zu Ehren und
nicht die Ehe zu brechen?
Der
Mann im Evangelium merkt, dass das noch nicht alles sein kann, er will noch
mehr tun: „Meister, alle diese Gebote habe ich von Jugend an befolgt.“ Jesus
ist erfreut darüber, er sieht ihn an, heißt es im Text, und weil er ihn liebte,
gibt er ihm einen weiteren Rat. Doch dieser weitere Rat, war nun doch zuviel
für diesen namenlosen Mann, in dem wir gerne uns selber sehen dürfen. Alles
hergeben, den ganzen Besitz, das ganze Vermögen… das kann Jesus doch nicht
wirklich ernst meinen.
Mit
Recht sind die Jünger bestürzt und fragen sich: „Wer kann dann noch gerettet werden?“
Aber
genau hierin liegt die Falle verborgen und ist der Denkfehler der Jünger, der
Denkfehler des unbekannten Mannes aus dem Evangelium und auch unser Denkfehler. Der Mann fragt: „Was muss ich tun,
um das ewige Leben zu gewinnen?“ Diese Frage ist eigentlich schon falsch gestellt.
Der Herr wird zwar fragen, wie es im Lied heißt, was hast du getan, aber mit
all unserem Tun, können wir nicht gerettet werden. Es ist schon schwer die
Gebote ein Leben lang zu halten und selbst wenn uns dies gelingen würde und
wenn uns noch weitaus mehr gelingen würde, als nur die Gebote zu halten, ja selbst
wenn wir die Forderung Jesu erfüllen würden, alles zu verkaufen und den gesamten
Erlös den Armen zu geben, selbst dann würde immer noch das letzte Wort Jesu dastehen:
„Für Menschen ist das unmöglich“ - Für Menschen ist es unmöglich aus eigener
Kraft das ewige Leben zu gewinnen. Für Menschen ist es unmöglich alleine
das
Gericht zu bestehen. Wir können uns den Himmel nicht verdienen. Wir brauchen,
wie bei jedem anderen Gerichtsverfahren auch, einen Anwalt. Aber nicht nur
einen Anwalt, der uns mit geschickten Worten und Reden verteidigt, wie das bei
einem irdischen Verfahren so der Fall ist, beurteilt werden wir dann da doch
nur nach unseren eigenen Taten, sondern wir brauchen einen Anwalt, der mit
seiner Tat für uns einsteht, ja der mit seinem eigenen Leben für uns einsteht,
der mit seinem eigenen Leben bereits für uns eingestanden ist, Jesus Christus.
Und
jetzt wird diese himmlische Gericht für uns vollends sonderbar. Jesus ist doch
der Wiederkommende, der Menschensohn, der sich auf den Thron setzen und die Völker
richten wird. Und zugleich ist er unser Anwalt. Richter und Anwalt zugleich. Da
kann das Gericht ja eigentlich gar nicht schlecht ausgehen.
„Eigentlich“
ist hier aber das Wort, auf das es ankommt. Verdienen können wir uns den Himmel
letztendlich nicht, wohl aber können wir ihn uns verscherzen. Auch der beste
Verteidiger ist machtlos, wenn der der verteidigt werden soll, nicht mit ihm
zusammen arbeitet, wenn sich der Klient abwendet und nichts von seinem Verteidiger
wissen will.
Wie
aber kann diese Zusammenarbeit mit unserem himmlischen Anwalt aussehen. Der
Apostel Paulus sagt es uns im Epheserbrief: „Über eure Lippen komme kein
böses Wort, sondern nur ein gutes, das den, der es braucht, stärkt, und dem,
der es hört, Nutzen bringt. Beleidigt nicht den Heiligen Geist Gottes, dessen
Siegel ihr tragt für den Tag der Erlösung. Jede Art von Bitterkeit, Wut, Zorn,
Geschrei und Lästerung und alles Böse verbannt aus eurer Mitte! Seid gütig
zueinander, seid barmherzig, vergebt einander, weil auch Gott euch durch
Christus vergeben hat.“ Und schließlich gleichsam als Zusammenfassung aller
Einzelratschläge: „Ahmt Gott nach als seine geliebten Kinder, und liebt
einander, weil auch Christus uns geliebt und sich für uns hingegeben hat als
Gabe und als Opfer, das Gott gefällt.“
Was hast du getan, wen hast du geliebt um meinetwillen?
Amen. Predigt von Past.Ref. Wolfgang Pfeifer
Liebe Schwestern und
Brüder
Haben oder Sein? –
diese Unterscheidung betrifft uns ganz besonders im Bezug auf unseren Glauben.
An drei Beispielen
soll uns dies deutlich werden:
- An unserem
Gebetsschatz, den wir mit uns tragen
- An unserem
Glaubenswissen
- An der Art
unserer Eucharistiefrömmigkeit
Viele von uns tragen
einen Gebetsschatz mit sich herum, Gebete, die wir auswendig können: Das
Vater-unser z.B., das Gegrüßet seist du Maria; auch Kurzgebete wie „Ehre sei
dem Vater und dem Sohn und dem Hl. Geist“ und „Herr, erbarme dich unser“. Der
eine oder andere von uns kann sicher auch noch ein Kindergebet auswendig.
Mit unseren Kindern
beten wir jeden Abend ein Abendgebet. Meistens begleitet uns ein Gebet längere
Zeit, sodass die Kinder das Gebet schließlich auswendig können. Irgendwann
kommt dann der Moment, da die Kinder anfragen, ob wir nicht mal etwas anderes
beten könnten. Im Laufe ihrer Entwicklung entwachsen sie so manchem Gebet.
Auf der Suche nach
einem neuem Gebet, fiel mir neulich eines in die Hand, das ich als Kind oft
gebetet habe: Lieber Gott, mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm.
Ich spürte einen
Widerstand in mir. So kann ich heute nicht mehr beten.
Dieses Kindergebet
gehört zwar zu meinem Gebetsschatz dazu, es passt aber nicht mehr zu mir, zu meinem Lebensgefühl und meinem
Wortschatz. Ich hatte auch keine Lust, meinen Kinder zu erklären, wie dieses
Gebet zu verstehen ist.
Haben oder Sein am Beispiel unseres Gebetsschatzes bedeutet:
Ich kann zwar Gebete
noch auswendig aufsagen, haben aber keinen inneren Bezug mehr zu diesem Gebet –
es sagt mir nichts mehr, es bereichert mein Leben nicht, es bringt mich als
Mensch und in meinem Glauben nicht mehr weiter.
Ich habe dieses Gebet
zwar noch aber ich bin es nicht mehr, ich finde mich in diesem Gebet nicht mehr
wieder.
Für unsere Kinder
habe ich dann ein anderes Gebet ausgesucht, das ich so zwar als Erwachsener
auch nicht mehr beten werde, das ich aber inhaltlich gut nachvollziehen konnte:
Und wieder geht ein
Tag zu Ende,
ich leg‘ ihn dir,
Gott, in die Hände.
Nimm an, was gut war,
froh und recht,
nimm an, was traurig
war und schlecht.
Ich möcht‘ in deinem
Segen ruh‘n
Und morgen wieder
Gutes tun.
Diese Woche war ich
auf einem Fortbildungsnachmittag zum Thema „Beobachten und Beurteilen“ – Zur
Reform der Notengebung in der Grundschule.
Eine wichtige
Änderung geht dahin, dass das Glaubenswissen, das wir Religionslehrer
immer sehr gut bei Probearbeiten abfragen können – dieses Glaubenswissen
soll nicht mehr allein zur Bewertung herangezogen werden. Künftig sollen
stärker Fähigkeiten bewertet werden die typischerweise zum Fach Religion
gehören. Z.B.: Kann der Schüler, die
Schülerin erkennen, wie es einem Menschen gerade geht? Kann er sich einfühlen?
Kann der Schüler eine Vorstellung entwickeln, was Gerechtigkeit, was einander
lieben für sie persönlich bedeutet. Die Schüler sollen also nicht mehr
nur lernen, was andere für richtig gehalten haben, sondern in der Lage sein,
gelerntes in das eigene Leben zu übertragen und – so die Hoffnung des Lehrers
natürlich – auch umsetzen. Letzteres können die Lehrer dann natürlich nur im
Bezug auf das sogenannte Sozialverhalten in der Schule beurteilen – aber auch
das wird ja künftig im Zeugnis eigens bewertet – in erster Linie allerdings vom
Klassenlehrer.
Haben oder Sein im Bezug auf unser Glaubenswissen bedeutet: Glaubenswissen, also der geistige Besitz dessen, was der
Glaube verheißt und fordert, allein reicht nicht aus. Solange unser Wissen über
den Glauben nicht zu einer Veränderung unseres Verhaltens führt bleibt es tot –
ja bleiben auch wir tot und werden nicht das Leben erreichen, das uns im
Glauben verheißen ist. Ich bin gläubig, heißt daher: ich bin lebendig
in meinem Glauben.
„Worauf es ankommt
wenn er kommt.“ Auch im Bezug
auf die Eucharistiefeier und die Begegnung mit Jesus in der Gestalt der Hostie
ist die Form des Habens nicht selten verbreitet. Es ist gut vorstellbar, dass
ein Mensch am Ende seines Lebens vor Gott steht und Gott etwas an seinem Leben
zu kritisieren hat. Es ist auch gut vorstellbar, dass dieser Mensch dann sagt:
Aber ich war doch regelmäßig im Gottesdienst, habe gebeichtet und die Hl.
Kommunion empfangen. Kann man Frömmigkeit messen? Gott sitzt bestimmt nicht im
Himmel mit einem Großen Buch oder einem Laptop und führt Strichlisten. Nützt es
etwas für die Beurteilung meines Lebens vor Gott besonders eifrig kirchliche
Veranstaltungen besucht zu haben.
Wenn ich damit das
Ziel verfolge, nur möglichst viel „auf dem Konto bei Gott“ vorweisen zu können,
dann sicher nicht. Das wäre Haben – nicht Sein!
Sicher haben sie schon gemerkt, dass Leben, das vom Sein
geprägt ist, etwas mit Anteilnahme, Mitleben, Interesse, Veränderung,
Entwicklung, auf dem Weg sein, und vielen anderen Begriffen der Bewegung zu tun
hat. Gerade die Eucharistie hat in ihrem Ursprung sehr viel mit dieser Bewegung
zu tun: Jesus setzt die Eucharistiefeier in einem jüdischen Paschamahl ein – in
dieser Feier erinnern sich die Juden bis heute an den Auszug der Israeliten aus
Ägypten. Auch wir Christen erinnern uns besonders an Ostern jedes Jahr an
dieses befreiende Handeln Gottes, an den Aufbruch der Israeliten aus
Knechtschaft in die Freiheit. Wenn wir uns heute im eucharistischen Brot mit
Gott verbinden, sollen auch wir heute frei und lebendig werden, sollen zu
lebendigen Zeugen der Botschaft Jesu in dieser Welt werden. Wie sich Wein und
Brot in Leib und Blut Jesu Christi wandeln, so sollen auch wir uns und die Welt
um uns herum verwandeln.
Mancher mag es
bedauern, dass selbst so etwas Handfestes wie die Hostie sich dem Besitzdenken
entzieht. Sehen wir es positiv: Die Eucharistie ermutigt uns stärkt uns zum lebendig
Sein.
Lothar
Zenetti hat die Stimmung unter Katholiken bezüglich dieser Sicht der
Eucharistie so beschrieben: Das Gedicht heißt
Wandlung
Frag‘ 100
Katholiken: "Was ist das Wichtigste an der Kirche?"
Und sie werden dir sagen: "Die Messe."
Frag‘ 100 Katholiken: "Was ist das Wichtigste an der Messe?"
Und sie werden dir sagen: "Die Wandlung."
Sag‘ 100 Katholiken: "Das Wichtigste an der Kirche ist die Wandlung."
Und sie werden sich empört abwenden.
Ich wünsche uns im
Blick auf unseren Glauben immer mehr lebendiges Sein und immer weniger
ängstliches Haben und Festhalten wollen.
Amen.
Predigt von Pfr. Rudi
Scherbaum: „Befreien – von was, für was?“
Frei
möchte ich sein
- im
Umgang mit meiner Familie und meinen Freunden
- bei
der Zukunftsplanung und in der Partnerschaft
- in
der Ausübung meiner Religion
Frei
möchte ich sein
- in
der Berufswahl und in meiner Meinungsäußerung
- in
der Wahl meines Haarschnitts und meiner Sportart
Frei
möchte ich sein
- in
der Wahl meiner Wohnung und meiner Kleidung
- in
der Handhabung meines Geldes und Gestaltung meiner Freizeit
Frei
möchte ich sein bei allen meinen Entscheidungen
Im Tagebuch einer 13-jährigen findet
sich folgender Eintrag: „Ich möchte mit meinem Freund nach Amerika auswandern.
Dort möchte ich mit ihm allein sein. Wenn wir dort eine kleine Bude haben,
werden wir glücklich sein. Ich will endlich frei sein und tun und lassen
können, was ich will. Davon träume ich Tag und Nacht: vollkommen frei und
glücklich zu sein."
Typisch für eine 13-jährige,
möchte man sagen. Aber spricht aus den Worten des Mädchens nicht etwas, was
auch den erwachsenen Menschen überfallen kann: die Sehnsucht nach einer
grenzenlosen Freiheit? Einmal alles stehen und liegen lassen, einfach davonlaufen;
ganz unabhängig, vollkommen frei sein, tun und lassen können, was man
will. Ich glaube, das sitzt sehr tief
im Menschen. Und es kommt auch in der Strophe zum Ausdruck: in der Freude auf
freie Zeit, ganz besonders auf den Urlaub. Einmal wenigstens nicht gegängelt
werden, einmal nicht durch den immer wiederkehrenden Tagesrhythmus bestimmt,
nicht festgelegt sein. Selber bestimmen können, wie man sich den Tag einteilt,
was man zu tun und zu lassen hat. ,,Dann wäre ich vollkommen frei und glücklich";
so die 13-jährige.
Abgesehen davon, dass wir
nicht einfach davonlaufen, auch nicht über unseren eigenen Schatten springen
können, krankt das Verlangen dieses Mädchens und damit vieler anderer Menschen
an etwas Entscheidendem: Sie wollen nur frei sein von, und nicht auch
frei sein für. Genau das macht christliche Freiheit aus: frei sein für.
„Der Herr wird fragen: wen hast du befreit um meines Namens willen?“
Wie sieht diese Befreiung aus? Werfen wir dazu einen dreifachen
Blick in die Bibel.
1. Zu Beginn der Geschichte Israels stellt sich Jahwe
vor als der Gott Israels, der es aus dem Sklavenhaus Ägyptens herausgeführt
hat. Israel hat erfahren: Wir haben es mit einem Gott der Befreiung zu tun. Und
was er ihnen mit den 10 Geboten aushändigt, ist wie ein Kompass, der den
weiteren Kurs bestimmt. Keine kleinliche Bevormundung, sondern ein Lebenshilfsprogramm;
keine Einengung und Begrenzung der menschlichen Freiheit, sondern die Möglichkeit
zu einem gelungenen Leben.
So gesehen werden wir uns nicht wundern, dass manche
Ausleger der Bibel die 10 Gebote die »10 großen Freiheiten« genannt haben. Sie
sind wie Meilensteine, die Gott auf den Weg Israels gesetzt hat. Es ist der zum
Weg der Befreiung, den Gott mit seinem Volk geht.
Der
Theologe E.Lange hat versucht, die 10 Gebote in diesem Sinne zu umschreiben.
Wie es sich dann anhört, möchte ich an nur 2 Beispielen zeigen: 1.Ich, der allmächtige
Gott, will dein Helfer sein. Halte dich an mich, und du bleibst frei. Du
brauchst keine Angst zu haben! 10.Ich,
der allmächtige Gott, bin der Geber guter Gaben für dich. Du kannst es dir leisten,
den anderen ihr Gutes zu gönnen.
Die 10 Freiheiten sind also eine einzigartige Einladung
Gottes zu einem gelungenen Leben. In ihnen setzt uns Gott Orientierungszeichen
an den Weg, die zu dem Ziel führen, das er selber ist. Die 10 Freiheiten sind
wie Positionslichter auf der Landebahn eines Flugplatzes, damit wir auch in den
Dunkelheiten unseres Lebens nicht abstürzen. Wenn wir uns darauf einlassen,
haben wir eine gute Wahl getroffen. Dann wird Gottes Weisung zu Gottes Kraft.
2.
Ein 2.Blick in die Bibel führt uns zum Apostel Paulus. Er redet oft von der Freiheit der Kinder
Gottes; an einer Stelle besonders deutlich: 1 Kor 10,31-11,1. Da stand die
Gemeinde von Korinth vor einem schwierigen Problem. Die Christen wurden häufig
zu heidnischen Gastmählern eingeladen. Dabei war oft nicht klar, ob die
gereichten Speisen heidnische Opfergaben waren. Damals bestand aber die
verbreitete Auffassung, dass, wer Opfergaben isst, an der Gottesverehrung
dieser Menschen teilnimmt. Nicht wenige christliche Gemeindemitglieder hatten
deshalb Zweifel, ob Teilnahme an solchen Gastmählern nicht Glaubensverleugnung
bedeuten konnte. Sie fragen Paulus, was sie tun sollen. Seine Antwort darauf
ist eine großartige Darlegung der ,,Freiheit der Kinder Gottes".
Lesung aus dem
1.Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korinth:
Wenn ein Ungläubiger euch einlädt
und ihr hingehen möchtet, dann esst, was euch vorgesetzt wird, ohne aus
Gewissensgründen nachzuforschen. Wenn euch aber jemand darauf hinweist: Das ist
Opferfleisch!, dann esst nicht davon, mit Rücksicht auf den, der euch aufmerksam
macht, und auf das Gewissen; ich meine das Gewissen des anderen, nicht das
eigene; denn: Warum soll meine Freiheit vom Gewissensurteil eines anderen
abhängig sein? Wenn ich in Dankbarkeit mitesse, soll ich dann getadelt werden,
dass ich etwas esse, wofür ich Dank sage? Ob ihr also esst oder trinkt oder
etwas anderes tut: tut alles zur Verherrlichung Gottes! Gebt weder Juden noch
Griechen, noch der Kirche Gottes Anlass zu einem Vorwurf!
Auch ich suche allen in allem
entgegenzukommen; ich suche nicht meinen Nutzen, sondern den Nutzen aller,
damit sie gerettet werden. Nehmt mich zum Vorbild, wie ich Christus zum Vorbild
nehme.
Ein Dreifaches
sagt uns Paulus hier. Zuerst fordert er seine Glaubensgenossen auf, sich
diesbezüglich kein Gewissen zu machen: ,,Esst alles, was Euch vorgesetzt wird,
ohne um des Gewissens willen nachzufragen ... Was soll denn meine Freiheit von
eines anderen Gewissen sich richten lassen?"
Dann fügt er den Satz bei,
dass alles, was Menschen tun, zur Ehre Gottes geschehen solle. Und schließlich
gibt er der Freiheit des Christen ihre wesentliche Orientierung: ,,Gebt keinen
Anlass zu einem Vorwurf! Auch ich suche allen in allem entgegen zu kommen; ich
suche nicht meinen Nutzen, sondern den Nutzen aller, damit sie gerettet
werden."
Für Paulus besteht Freiheit darin,
dass der Mensch seinen Weg geht und sein Leben lebt, nicht aber im Netz der
öffentlichen Meinung oder im Gestrüpp kleinlicher Rücksichten untergeht. Für
Paulus kann Freiheit
nicht darin bestehen, möglichst unbeschwert den eigenen Trieben und Interessen
zu folgen. Das Ende dessen ist purer Egoismus und Zerstörung. Freiheit beginnt in
Wirklichkeit erst dort, wo der Mensch lernt, zu unterscheiden, worauf es
ankommt; nämlich sich so zu verhalten, dass anderen geholfen ist. Es kommt
darauf an, dass ich immer tue, was den anderen Menschen weiter hilft.
Paulus sagt in diesem Text
auch noch, wozu und wohin den Mensch weitergeholfen werden soll: zu ihrer
Rettung durch Christus. Was wir also tun oder unterlassen, wozu wir uns entschließen
und was wir entscheiden - es muss immer so sein, dass es den Mitmenschen dem
endgültigen Heil näher bringt. Das ist christliche Freiheit. Wer sich um den
Menschen kümmert, muss sich auch um sein Heil sorgen.
3.
Natürlich darf beim Blick in die Bibel Jesus nicht fehlen, auch wenn er selbst
nie von Freiheit geredet hat und der Begriff »Freiheit« in seinem Wortschatz
nie vorkommt. Er hat etwas viel Wirkungsvolleres getan: Er hat Freiheit geübt
und gelebt. Jesus hat frei gelebt inmitten einer unfreien Umwelt. Die damalige
Zeit stand nicht weniger unter gesellschaftlichen Zwängen als die Gegenwart.
Ehebrecherinnen, Zollbeamte, Aussätzige, Atheisten, Ketzer - es war verpönt,
mit solchen Existenzen zu verkehren. Jesus demonstriert dagegen, indem er zeichenhaft
den Zaun durchbricht, den die damalige Gesellschaft um diese Menschen gelegt
hat. Er geht zu ihnen, unterhält sich mit ihnen, ist gut zu ihnen, tröstet sie,
richtet sie auf. Jesus hat keine Gelegenheit verpasst, die vielen armen Teufel
seiner Zeit aus ihrer Unfreiheit zu erlösen. Darauf kommt es ihm an. Das alles
ist frohe Botschaft. Deswegen hören wir heute kein eigenes Evangelium, weil alles,
was gesagt und getan hat, frohe Botschaft, Evangelium, war.
Was sagt das alles uns heute? Worauf
muss es uns ankommen? Eucharistie feiern heißt: Ich lasse mich auf den Weg der
christlichen Freiheit
ein; ich lasse mich in diese Bewegung zum „Für“ hineinnehmen; ich begebe mich
in den Raum der Hoffnung und Befreiung. Ich lasse mich im Sinne der 10
Freiheiten befreien zur Freiheit eines Christenmenschen. Ich gebe Gott, was Gottes ist. Ich
entrinne dem Zwang zur Werktäglichkeit und feiere meinen Gott.
Im Evangelium lasse ich mich immer
wieder erinnern an die Güte und Menschenfreundlichkeit unseres Gottes, der in
Christus für uns Menschen und zu unserem Heil Mensch geworden ist: mein Leib -
für euch; mein Blut - für euch; mein ganzes Leben - für euch. Was dem
Israeliten seine Erinnerung an die Befreiung durch den Auszug aus Ägypten ist,
ist dem Christen die Feier, die ihn an den Tod und die Auferstehung Jesu, an
seine große Befreiungsaktion für uns erinnert.
Wer Eucharistie richtig feiert,
weiß: Der Herr wird
nicht fragen, wie weit wir mit Paragraphen und Bestimmungen operiert haben; wie
weit es Reglementierungen gab, nur um Druck auszuüben und die eigene Position zu halten. Er wird
fragen: wie weit habt ihr dem Menschen geholfen, menschenwürdiger zu leben, mit
weniger Angst, Schmerz und Verzweiflung. Wie weit seid ihr eurem eigenen Herrn
und Meister gefolgt, der die Menschen seiner Zeit aus den Zwängen der damaligen
Gesellschaft befreit hat. Er hat zB gegen den Hunger nicht mit Worten
protestiert, sondern er hat den Menschen zu essen gegeben.
Wenn
ich mich an die 10 großen Freiheiten und an das Evangelium, an das Beispiel Jesu
halte, bin ich nicht nur selber frei, sondern ich bin auch frei für: für
Gott, für die Menschen, letztlich für die Liebe. Wem die Freiheit geschenkt
ist, der kann sich loslassen und verschenken. Er kann lieben. Er kann sich
hingeben, notfalls sogar um den Preis des eigenen Lebens. So opferte sich zB
Maximilian Kolbe in Auschwitz für einen Mithäftling aus Liebe zu dessen
Familie. Und Alfred Delp, im KZ ebenfalls seiner äußeren Freiheit beraubt,
äußerte kurz vor der Hinrichtung: ,,Wenn das kommt, bin ich freier als ihr
alle." In dieser Weise spricht nur einer, der in der Freundschaft mit Christus
erkannt hat: Ich gewinne mein Leben, indem ich es um Gottes und der Menschen
willen drangebe.
Das sind große Beispiele
verwirklichter Freiheit. Es gibt aber auch zahllose kleine, die nicht weniger
wert sind. Da ist die Mutter, die sich Tag um Tag für ihre Kinder
einsetzt und deshalb vielleicht für dumm gehalten wird. Da ist die
Krankenschwester, die sich Zeit nimmt zum persönlichen Gespräch mit den
Patienten. Da sind Jugendliche, die sich seit ihrer Begegnung mit Mutter
Teresa auf dem Katholikentag einüben in den „alternativen Lebensstil“, der dem
gängigen Konsumzwang widerstrebt und erhebliche Anstrengungen kostet. Da ist
der Vater, der seinem ausgeflippten Sohn die Tür offen hält. Da ist
der Ehepartner, der den Anderen nicht fallen lässt, obwohl dieser ihn bitter enttäuscht
hat. Da ist der Arbeiter, der um seiner Familie willen durchhält, obwohl
seine Berufstätigkeit ihm nur selten Spaß macht.
Trotz aller Zwänge und
Abhängigkeiten sind diese Menschen frei. Sie leben aus der einzigen Bindung,
die nicht unfrei macht: aus der Liebe. Sie bekunden, dass die höchste Form der
Selbstverwirklichung Selbsthingabe ist, nicht Selbstbehauptung; dass es
christliche Freiheit
tatsächlich gibt, dass sie keine lebensferne Phrase ist. Das stellen diese
Menschen und ungezählte andere täglich unter Beweis. Wir können ihnen gar nicht
genug danken. Dazu können auch wir gehören.
Fürbitten
Jesus, du hast uns dazu befreit, dass wir in Freiheit für
dich und unsere Mitmenschen leben. Wir bitten dich:
+ Lass
uns die Freiheit finden in der Verbundenheit mit deinem Wort und in der Befolgung
deiner 10 Freiheiten.
+ Öffne
allen, die sich in ein orientierungsloses Leben verloren haben, den Blick für
die wahre Freiheit.
+ Mache
uns tapfer, wenn es darum geht, die Freiheit anderer Menschen zu schützen und
für sie einzutreten.
+ Hilf
denen zu einem neuen Anfang, die ihre Freiheit durch eigenes Verschulden verloren
haben.
Jesus,
ohne dich können wir nichts tun. In dir bringen wir reiche Frucht. So erhalte
uns deine Freundschaft, damit wir durch dich den Vater preisen jetzt und in
Ewigkeit.
Wir sind so frei ...
- zu widersprechen, wenn wir
anderer Meinung sind
- Einspruch zu erheben, wenn
jemand ungerecht behandelt wird
- uns zu wehren, wenn über
die Kirche hergezogen wird
Wir sind so frei ...
- eine fremde Meinung zu
akzeptieren, wenn sie uns vernünftig erscheint
- unsere Eltern zu achten
und zu lieben, wie Gott es will
- Bindungen zu akzeptieren
Wir sind so frei ...
- Meinungsumfragen nicht als
das letzte Evangelium anzusehen
- Werbesprüchen zu
misstrauen
- unsere eigenen Gedanken zu
denken
Wir sind so frei ...
- uns nicht zu Sklaven von
Launen und Süchten zu machen
- uns ehrenamtlich zu
verpflichten
- unsere persönliche Freiheit
zu beenden, wenn es ums Ganze geht.
Predigt von Diakon Konrad Fischer für
Rieneck, Langenprozelten, Gemünden „Worauf es ankommt - Wer im
Himmelreich der Größte sein will“
Botschaft:
Es kommt darauf an, zu leben, zu stehen, zu lieben, wo Gott uns haben will
Ziel: Die
Zuhörer sollen offen werden für die Möglichkeiten, als Menschen und Christen im
normalen Leben bei- und miteinander zu sein, zu leben, zu glauben und zu
lieben. Lesungen - vom Fest des Hl. Franziskus:
Gal 6,14
—18 Ich will mich allein des Kreuzes Jesu Christi unseres Herrn rühmen
Mt 5,13-16 „...Ihr
seid das Salz der Erde ... Ihr seid das
Licht der Welt."
Worauf es
ankommt, wenn er kommt - Klar, werden Sie sagen, es kommt darauf an, ob wir
zueinander gut waren, ob wir an Gott geglaubt, gebetet und einander geholfen haben.
Richtig! - Aber so einfach ist das nicht. Das Evangelium vom Salz der Erde und
Licht der Welt fordert, daß wir uns als Jüngerinnen und Jünger Jesu in die
Gesellschaft einmischen, damit der Geschmack und das Licht des Reiches Gottes
unter die Leute kommt. -
Es geht
dabei also nicht nur um den frommen einzelnen Christen, oder um eine
christliche Elitetruppe, sondern ebenso um die christliche Gemeinde, um uns als
Kirche in der Welt. Das Lied, das dieser Predigtreihe zugrundeliegt, fragt in
der 6. Strophe: Was hast du bewirkt, -wen hast du gewärmt um meinetwillen? - Die
Menschen in unseren Gemeinden, Vereinen und Familien brauchen Licht und Wärme -
zum Leben überhaupt! Schauen wir in unsere Gesellschaft: bei der letzten Bundestagswahl
bekam keine der großen Parteien -trotz des C für "christlich" und des
S für "sozial" -eine ausreichende Mehrheit. Was ist los? Bischof Marx
von Trier, in der Deutschen Bischofskonferenz für Sozialfragen zuständig, sieht
ein sinkendes Vertrauen zu den führenden Parteien und Politikern. -Auch
Sozialwissenschaftler haben bei einer Tagung in Münster beklagt, daß weithin
die einseitig wirtschaftliche Betrachtungsweise in unserem Land vorherrscht. Für
den Zusammenhalt der Menschen seien aber nicht nur die wirtschaftlichen und
finanzpolitischen Gegebenheiten, sondern genauso das Soziale entscheidend, -Fragen
wir also: Sind unser persönlicher Lebensstil und unser Miteinander so
ausgerichtet, daß sich die Menschen von uns gemeint und verstanden fühlen können?
Sind wir als Kirche dafür bekannt, daß wir helfen, wo Menschen in Not geraten?
Wenn das
Soziale, das Miteinander s o wichtig ist, wie können dann
"Wirkung", Ermutigung, "Licht" und Wärme von uns ausgehen?
Ich meine, es kommt auf folgendes an:
- In unserem Tun und Verhalten,
und wenn notwendig, auch im Wort/Zeugnis geben für unsere Bindung an
Gott und unsere Zuversicht aus dem Glauben.
- Beten als lebendige Beziehung
mit Gott praktizieren und an jungen Menschen weitergeben.
- Den Sonntag als von Gott
geschenkten Frei-Tag für Seele, Leib und für das Miteinander pflegen und
bewahren.
- Für die Solidarität mit den
Schwächeren in unserem Lebensumfeld und in der Welt eintreten und sie uns
auch etwas kosten lassen. - -
Liebe Srn.
und Brüder, wer mit Gott und den Menschen lebt, ist nicht alleine. Er bleibt
zwar schwacher Mensch. Aber die anderen können Gott in seinem Leben spüren, so
unscheinbar es auch sein mag. Wir dürfen glauben, daß es bei Gott, im Himmel,
Millionen
von großen
Kleinen gibt, Millionen von "Leistungsträgern" im Reich Gottes..
Und was ist
mit der Eucharistie, über die ich noch nichts gesagt habe? Wir brauchen die
Eucharistie, um das zu sein, zu werden und das zu können, was wir als Christen
im Leben auszurichten, eben zu "wirken" und zu "wärmen"
haben. Wie Gott uns in der Eucharistie ans Herz nimmt und ver-wandeln will, so
können wir aus dieser Kraft für die Menschen und mit ihnen leben. Banal
ausgedrückt: die Eucharistie bringt uns eine Menge:
- Wir begegnen in der Eucharistie
am dichtesten dem gekreuzigten und auferstandenen Herrn..
- In Brot und Wein, die wir
bringen und die in Christi Leib und Blut verwandelt werden, ist unser
Leben präsent.
- Und im Wort Gottes, bekommen
wir Orientierung und Ermutigung für unseren Weg mit Gott und den Menschen.
- Die Eucharistie ist die
Hochform des Betens und der Anbetung, in der wir von unseren falschen
Anhänglichkeiten frei werden können.
- Die Eucharistie hilft uns, den
kleinen Weg unseres Lebens zu gehen, in der Gesinnung Jesu Gott und den
Menschen zu dienen.
Als Trost
möchte ich Ihnen noch eine Geschichte mitgeben:
Auf einem
Schiff der Marine führte ein Kapitän, der als Christ und Kirchgänger bekannt
war, ein strenges Regiment. Er forderte strikte Pflichterfüllung und scheuchte
v. a. die Jüngeren über Deck. Als anläßlich einer Feier die Matrosen dem Käpt'n
beim Trinken näher kamen, fragten sie ihn, wie er sonntags in die Kirche gehen
und oft so lieblos v.a. mit den jungen Matrosen umgehen könne. Er antwortete
ihnen: Was meint ihr, wie ich mit euch umgehen würde, wenn ich sonntags nicht
in die Kirche ginge?
Lb. Srn u.
Brüder im Glauben, die Eucharistie als Vollendung unseres Betens kann uns
helfen, zu leben und zu lieben, wo und wie Gott uns haben will. Welche Rolle
spielt es dann, ob wir im Leben eine große, öffentliche oder eher mehr private,
bescheidene Bedeutung haben?
Es kommt -
wie bei einem hl. Franziskus oder Bruder Konrad, einer hl. Elisabeth oder
Theresia von Liseux, alleine auf die treue Liebe zu Gott und den Menschen an. -
Amen
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